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28. Mai 2013

Sprecher werden – Routinen entwickeln

Sie haben erste Anweisungen vom Profi erhalten und wissen woran sie arbeiten sollen und wollen? Gut! Es geht also los mit dem Sprecher werden.

Sprecher werden – Routinen entwickeln

Wenn Sie sich schnell in Ihre täglichen Routinen einarbeiten werden Sie bald einen, mehr oder weniger, kometenhaften oder zumindest spürbaren Anstieg Ihrer stimmlichen Qualität bei sich feststellen können. Wir untergliedern unsere tägliche Beispielroutine in 3 einfache Bereiche: Entspannung und Lockerung, Tonales Sprecher Warm-Up, Artikulationsübungen und Sprechübungen.

1. Entspannung und Lockerung

Diese Übungen sind gerade zu Beginn des Sprechtrainings wichtig. Nehmen sie sich die Zeit. Klassisch wird im Liegen begonnen. Ihr Körper liegt auf dem Rücken und sie atmen ruhig und tief.
Sie werden schwer und spüren jeden Zentimeter des Bodens. Sobald Sie in einen Zustand der Entspannung eintreten und Ihre Ruhe gefunden haben, drehen Sie sich ohne das Zwerchfell anzuspannen über die Seite auf die Knie.

Die Demonstration und genauen Anweisungen zu den Übungen erhalten Sie von Ihrem Lehrer. Ohne Lehrer geht es nicht!

Nun stellen sie sich auf die Füsse und heben den Po. Ihr Oberkörper hängt nun vorne über. Jetzt können Sie den Oberkörper drehen und schwingen. Sie lockern damit den gesamten Atmungsapparat. Zum Schluss der Einleitung richten Sie sich auf und ziehen den Oberkörper Wirbel für Wirbel nach oben.
Sobald sie gerade stehen, lassen Sie das Blut ein wenig zirkulieren.

Jetzt beginnen die Übungen zum aktivieren der Gesichtsnerven und des Tonapparates.
Sie streichen mit den Fingern sanft von hinten nach vorn durch das Gesicht als ob Sie Ihr Gesicht verlängern wollen.
Greifen und schütteln Sie Ihre Wangen.

Die Art und Anzahl der Übungen zum Sprechen variiert. Finden Sie die Besten für sich heraus.

2. Tonales Sprecher Warm-Up

Sie atmen tief durch die Nase in den Bauch und geben beim ausatmen einen brummenden Ton von sich. Das kann wie ein launiger Bär klingen, wärmt aber die Stimmbänder gut auf. Ich nenne das „Einbrummen“. Danach lockern Sie die Lippen und pusten die Luft so aus, dass ein flatternder Laut entsteht. Wie bei einem Kind, das ein Flugzeug oder einen Helicopter nachmacht. Dabei gehen Sie alle möglichen Tonhöhen durch. Übertreiben Sie auch mal wenn keiner zuschaut. Seien sie der kleine Helicopter und fliegen durchs Zimmer. Diese Übung sollte aber in grösseren Menschenmengen vermieden werden da nicht jeder die Erwärmungsroutinen von Sprechern und Sängern kennt.

Viele Sprecher Übungen werden Ihnen ein herzhaftes Lachen abringen und am Anfang befremdlich wirken.

Es gibt auf diesem Gebiet auch wieder eine große Auswahl an Übungen.

3. Artikulations- und Sprechübungen

Für den Anfang empfehle ich die klassischen Zungenbrecher. Dazu versuchen Sie bitte ohne Druck oder besonders laut zu sprechen. Es geht nur darum, dass sich die Gesichtsmuskulatur lockert. Sie sprechen so schnell und auch so deutlich Sie können. Ganz am Anfang klingt vieles, das sie sprechen überdeutlich und überartikuliert. Das ist normal und gut für einen angehenden Sprecher.

Viele Übungen für Sprecher finden Sie auch in dem Buch: „Sprecherzieherisches Übungsbuch von Egon Aderhold und Edith Wolf“

Wenn Sie es richtig übertreiben wollen, sprechen Sie ab jetzt auch im Alltag nur noch möglichst sauber und Hochdeutsch. Sie sollten Ihr privates Umfeld aber vorher vorwarnen. Ich persönlich hatte mich dazu entschieden nur noch resonant zu sprechen. Das war eine ungewohnte Umstellung für die Angehörigen da man etwas anderes von mir gewohnt war. Mittlerweile variiere ich meine Aussprache um in allen Registern geläufig zu bleiben.

Geläufigkeit ist auch das a und o wenn sie vor dem Mikrofon stehen. Sie können perfekt klingen aber wenn der Kunde von Ihnen hören will: „Die Arbeitsbedingungen der Immobilieninnung und deren schwindende Gesinnung wurde millionenfach unter dem ‚Dach der Andacht‘ an einem griechisch-tschechischen Küchentisch besprochen.“ Dann muss das auch sauber aus Ihnen als Sprecher herauskommen.

Lautes und deutliches Lesen ist wie Fitnessstudio für Ihre Sprechmuskulatur.

Deshalb: Lesen Sie! Sprechen Sie laut! Lesen sie laut!
Schnell und langsam – übertrieben schnell und auch übertrieben deutlich.

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